Das offizielle Wort für Quarantäne ist übrigens Absonderung! | Quarantäne-Tagebuch Tag 6

Eigentlich hätten wir bereits vor sechs Tagen ein Schreiben per Postzustellungsurkunde vom Gesundheitsamt Bielefeld bekommen müssen, denn seit sechs Tagen steht unser Kind 1.0 in sogenannter häuslicher Quarantäne. Was wir nun als „Stubenarrest oder Hausarrest“ bezeichnen, heißt formal juristisch eigentlich „Absonderung“. Wir halten nun Abstand! Abstand zu unserem eigenen Kind. Wir haben die Info, dass unser Kind unter Quarantäne steht, von der Schule bekommen. Die gilt als Erfüllungsgehilfe für das Amt. Bis dato gab es keine offizielle Benachrichtigung und auch keinen Anruf, aber immerhin haben wir – auch über die Schule kommuniziert – einen Termin für einen Test. Fünf Tage vor dem Ende der Quarantäne, dürfen wir morgen zum Test, doch darum soll es heute noch gar nicht gehen. Was bedeutet eigentlich Absonderung?

Die Quarantäne ist eine Absonderung

Absonderung – weitere Synonyme wären Abkapselung, Abschottung, Abtrennung! Sich von etwas oder jemandem fernzuhalten müssen, das mag für uns Erwachsene kein Problem sein. Auch unser Kind 1.0 wird damit für die offiziellen 14 Tage kein Problem haben. Er hat seine Playstation, funktionierendes W-LAN, kann mit seinen Freunden chatten und gemeinsam mit denen Zocken. Distanzunterricht findet natürlich auch statt, für die Videokonferenzen zieht er sich bestimmt auch mal ein T-Shirt an. Doch was ist mit jüngeren Kindern? Würde meine jüngere Tochter unter Quarantäne gestellt werden, ich würde mich mit ihr in diese begeben, denn was für ein Teenager vermutlich der Himmel auf Erden ist, kann für jüngere Kinder schnell zur Hölle werden.

Doch warum will ich eigentlich ein Schreiben vom Gesundheitsamt? In dem Schreiben müsste drin stehen, dass die häusliche Quarantäne angeordnet wurde, dass es Kind 1.0 untersagt ist das Haus (ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes) zu verlassen und natürlich darf Kind 1.0 auch kein Besuch von Personen empfangen, die nicht zu unserem Haushalt gehören.

Auch wenn die anderen Familienangehörigen, die hier in der häuslichen Gemeinschaft leben, weiterhin zur Schule dürfen, zur Arbeit dürfen (wenn das nicht anderweitig geregelt wird), dürfen diese natürlich auch keinen Besuch empfangen.

Doch das können wir offiziell noch gar nicht wissen, denn offiziell haben wir noch gar kein Schreiben bekommen. Ich stütze mich hier also auf die Informationen, die ich aus anderen Kreisen, Städten und Bundesländer bekommen habe und danach versuchen wir uns so gut es geht zu halten. Doch wenn wir doch offiziell gar nicht wissen was wir tun müssen? Zu was wir verpflichtet sind? Vielleicht gelten hier ganz andere Regeln als in anderen Bundesländern, oh – wait – das ist sogar ziemlich wahrscheinlich. Gerade zu Corona-Sachen, sollte man doch wenigstens innerhalb von Deutschland nun einfach mal Regeln aufstellen, die für alle gelten. Dann könnte man sich daran auch halten.

Kind in Quarantäne, was muss man tun?

Doch machen das andere auch so? Unter uns? Viele wissen vermutlich gar nicht was alles zu tun und zu lassen ist, denn bis zum Ende der Absonderung sind wir verpflichtet:

Zweimal täglich die Körpertemperatur zu messen, ein Tagebuch zu Symptomen, Körpertemperatur und allgemeine Aktivitäten zu führen. Man müsste sogar Beauftragen des Gesundheitsamt zum Zwecke der Befragung oder Untersuchung den Zutritt gestatten. Wer das alles nicht beachtet, dem wird in der Regel auch gleich ein Zwangsgeld je Zuwiderhandlung von 1.000 Euro angedroht oder die Absonderung in eine abgeschlossene Einrichtung. Kein Witz! Die betroffenen Eltern haben vermutlich sowieso schon Angst und dann wird auf einem, in der Regel, fünfseitigen Schreiben vom Gesundheitsamt indirekt noch mit der Wegnahme des Kindes und mit Zwangsgeldern gedroht. In manchen Schreiben steht sogar was von Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Das wäre dann eine besonders lange Quarantäne.

Ansteckungsverdächtige müssen in Quarantäne

Meiner bescheidenen Meinung kommt man in der Corona Sache nicht mit Verboten weiter, sondern mit Selbstverantwortung und der Tatsache, dass wir Menschen (wenn wir normal ticken) keine anderen Personen anstecken wollen. Deswegen haben wir natürlich auch den Kontakt zu Mitmenschen auf ein Minimum reduziert, denn schließlich gilt unser Kind als „Ansteckungsverdächtig“ – richtig gelesen, denn Kranke, Krankheitsverdächtigte, Ansteckungsverdächtigte oder Ausscheidet werden abgesondert.

Wer also Kontakt hatte zu einer infizierten Person, der kommt in Quarantäne. Die Dauer der Quarantäne ergibt sich aus der maximalen Inkubationszeit zwischen einer möglichen Ansteckung und dem ersten Auftauchen von Krankheitssymptomen und kann daher auch nicht mit einem negativen Test-Ergebnis verkürzt werden. Klingt komisch, ist aber so.

Unsere Quarantäne-Zeit fällt übrigens kürzer aus, das liegt daran, dass man formal juristisch natürlich keine Quarantäne für die Vergangenheit anordnen kann. Man geht also vom letzten Kontakt zu der infizierten Person aus und rechnet von dort aus 14 Tage. Bei uns also bis zum 09.10.2020. Also nur noch fünf Tage. Halleluja.

Muss ich erwähnen, dass in unserer Familie keiner Symptome hat? Keiner Fieber? Das darf auch gerne so bleiben! Morgen geht es mit Kind 1.0 zur Testung. Wir wollen damit einfach nur in der Statistik auftauchen, denn nicht jeder Ansteckungsverdächtige ist auch krank, infiziert und kann andere anstecken. In der allgemeinen Presse wird ja immer noch die Angst geschürt durch hohe Zahlen von Menschen die in Quarantäne sind, von hohen Zahlen die infiziert sind und das macht natürlich Angst.

…und wer keine Lust auf lesen hat, die Quarantänamera-Story bis zum 7. Tag gibt es auch als Podcast:

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