Tag der deutschen Einheit?! | Quarantäne-Tagebuch Tag 5

Aloha, viele Grüße aus Quarantänamera! Achtung! Der heutige Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten. Quarantänamera! Die Insel der Aussätzigen, die Insel der Ausgestoßenen, die Insel der Personen die unter dem Generalverdacht stehen „ansteckend“ zu sein. Natürlich ist das nicht so, also nicht von Amts wegen. Da dürfen immer noch 75% unserer Familie ganz normal arbeiten oder zur Schule gehen, nur einer – ein gar nicht mehr so kleiner Junge – der muss in seinem Zimmer hocken. Aber unsere Insel ist in etwas so wie das Tal der Ahnungslosen. Keine Post erreicht uns, keine Nachricht, nicht mal eine Brieftaube. Machen wir uns nichts vor, das ist alles eine Situation, die wir so noch nie gehabt und durchgemacht haben.

Abstand halten, Maske tragen, sich – die Räume und die gemeinsam benutzen Sachen desinfizieren! Das was z.B. in Dortmund nicht einmal in Schulen funktioniert, muss auf Quarantänamera funktionieren. Da kann man nicht einfach streiken, da kann man nicht einfach sagen: Heute nicht! Heute wird nicht aufgepasst.

Inzwischen trudeln hier immer mehr Testergebnisse der Klassenkameraden (m/d/w) ein. Alle Negativ! Unser Sohn wird am Montag getestet. Ich würde aktuell nicht darauf wetten, dass wir das Testergebnis vor dem Ablauf der Quarantäne haben. Da gibt es scheinbar aktuell Probleme mit der Schnittstelle zur App, die Corona-App selber soll auch nicht so richtig gut funktionieren und die Ämter und Labore sind natürlich auch überlastet.

Mein privates Testergebnis war übrigens innerhalb von 24 Stunden da. Da regiert wohl doch das liebe Geld die Welt. Inzwischen habe ich übrigens herausgefunden, dass mir so ein negativer Corona-Test gar nichts bringt.

Bei einigen Veranstaltern darf ich solange nicht zum Termin, solange ich auf Quarantänamera wohne. Also auf unserer Insel, auf der ein Insel-Bewohner vom Amt unter Quarantäne gesetzt wurde. Dabei ist es auch egal ob er negativ getestet wurde oder nicht, denn diese Tests sind ja immer nur eine Momentaufnahme.

Wir denken immer, dass Deutschland ein unfassbar reiches Land ist. Das stimmt vermutlich auch, dennoch merken wir doch auch, spätestens seit Corona, wie über die letzten Jahre und Jahrzehnte das Gesundheitswesen, das Schulwesen usw. systematisch kaputt gespart wurde, oder? Jetzt wo die sprichwörtliche Kacke am dampfen ist, da fällt es dann auf einmal auf. Hätte man vorher mal etwas mehr investiert, die Schulen mal vorher digitalisiert. Hätte, hätte, Fahrradkette!

Quarantänamera ist übrigens eine Nachbar-Insel von Absurdistan. 

Sie werden lachen, aber ich schreibe mir hier schon eine geheime Einkaufsliste. Denn wenn wir nun wirklich einen positiven Fall in der Familie hätten, dann wären alle andere ja „Kontaktpersonen der Kategorie I“ – und somit sofort unter Quarantäne. Was brauchen wir wohl für 14 Tage? Also mindestens eine Europalette Klopapier, Hefe und 10 Kilo Mehl, oder? Dazu natürlich noch Dosen-Futter bis zum abwinken. Liebe Bielefelder, freut euch schon mal auf die nächsten Hamster-Käufe.

Mist, heute und morgen kann ich meine Einkaufswünsche nicht umsetzen, denn es ist Feiertag. Wobei! Irgendwo wird es doch wohl einen verkaufsoffenen Sonntag geben, oder? Gibt es eigentlich schon wieder die normalen Hefe-Würfel im Kühlregal?

Was feiern wir heute eigentlich?

Am Tag der deutschen Einheit feiern wir die deutsche Wiedervereinigung, die „mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland  am 03.10.1990 „vollendet“ wurde. Amtsdeutsch ist schon geil, oder?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, es war bereits dunkel, ich war mit meiner Schulklasse im Jahr 1989 auf einer Klassenfahrt. Die Lehrerin holte uns vor den Fernseher und sagte etwas wie: „Heute wird Geschichte geschrieben!“ – ich hab nicht verstanden was damals passierte, aber ich habe gespürt, das es gut war. Man sollte sich mal wieder mehr auf seine Gefühle, auf sein Gespür und auf das Besinnen was uns Menschen ausmacht. Weniger Hass, mehr Toleranz! Weniger Vorurteile, mehr Interesse. Denn wenn uns Corona doch eines gezeigt hat, wir sind alle gleich.

Nicht nur am Tag der deutschen Einheit, sondern auch an allen anderen Tagen. Auch wir auf Quarantänamera sind nun ein Volk und können es gar nicht erwarten, dass am 09.10. endlich die Mauer eingerissen wird – und wir wieder alle gemeinsam wieder in die Freiheit dürfen. Die Mauer ist übrigens schon wieder länger weg, als sie überhaupt existent war. Aber in vielen Köpfen, da ist sie noch vorhanden.

30 Jahre „Tag der deutschen Einheit“ – das wäre vermutlich ein großes Fest geworden in Berlin. Millionen von Menschen hätten sich vermutlich rund um die Siegessäule versammelt. Doch dieses Jahr verändert alles. Corona verändert alles und irgendwie verändern wir uns… …und jetzt kommt auch noch die kalte Jahreszeit. Das wird alles noch sehr spannend.

Heute und morgen kann (theoretisch) keine Nachricht kommen vom Gesundheitsamt, für uns bedeutet das: Wir gehen Montag zum testen! Wie das da abgelaufen ist? Das erfahrt ihr natürlich hier im Corona-Quarantäne-Tagebuch.

Fest steht aber auch: Je mehr getestet werden, umso höher müsste die Anzahl der positiven Infektionen ausfallen. Dafür muss ich kein Mathe-Profi sein. Sprich die Werte müssten steigen, man läuft in Gefahr der lokalen Shut-Downs zu geraten. Das will vermutlich keiner, denn auf der anderen Seite weiß man auch: Nicht jeder infektiöse „Patient“ bekommt Symptome! Nicht jeder Corona-Verlauf ist schlimm… …viele hatten sicherlich schon Corona und haben es nicht einmal gemerkt. Ein schwieriges Jahr, oder? Ich möchte hier definitiv gerade nicht die Geschicke dieses Landes lenken müssen.

Was mich betroffen macht: Nächsten Monat jährt sich der Todestag meiner Mutter. Die starb im Alter U50 an Krebs. Ich war damals 16 Jahre alt. Meine Mutter ist inzwischen also schon länger tot, als ich sie gekannt hatte.

Jährlich sterben in Deutschland knapp 230.000 Menschen an Krebs. Auch wenn die Medikamente da inzwischen besser und die Überlebenschancen erhöht wurden, ist Krebs immer noch eine ganz fiese Sache. 10.000 Menschen sind in diesem Jahre bereits an oder besser gesagt mit Corona gestorben. Unbestritten: 10.000 zu viel, denn keiner soll die Erde verlassen bevor seine Zeit gekommen ist.

Wir waren in diesem Jahr auch auf einer Beerdigung, da war es Leukämie. Es gibt also auch noch anderen Baustellen und Themen um die wir uns kümmern sollten… und nein, das war nun kein Whataboutism. Whataboutwhat? Whataboutism nennt man eine Manipulationstechnik in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wenn man z.B. sagt: Autos sind schlecht für die Umwelt, sagt der andere: Was ist denn mit Flugzeugen?

Ich will nur zum Ausdruck bringen: Es gibt viele Baustellen an denen wir arbeiten müssen, auch 30 Jahre nach dem Tag der deutschen Einheit gibt es immer noch eine gefühlte Mauer zwischen West und Ost. Nur nicht für den Corona-Virus, der kennt keine Grenzen. Bleibt Gesund!

…und wer keine Lust auf lesen hat, die Quarantänamera-Story bis zum 7. Tag gibt es auch als Podcast:

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