Warum sind die Kinder eigentlich in Quarantäne? | Quarantäne-Tagebuch Tag 3

Unser Kind 1.0, alias das Pubertier, ist eine Kontaktperson der Kategorie I. Aus dem Grund ist er in Quarantäne. Heute ist Tag 3 – bis dato haben wir noch nichts vom Gesundheitsamt gehört. Wer die Geschichte nachlesen mag, findet hier den Beitrag zum ersten Tag und hier den Beitrag zu Tag 2.

Ich komme mir langsam vor wie ein Krankenpfleger, der täglich bei einer Person – die scheinbar kerngesund ist – Fieber messen muss. Ich mache mir da inzwischen einen Spaß raus. Die Werte sind alle in Ordnung, keiner unserer Familienmitglieder hat Symptome. Dennoch leben wir mit einer Kontaktperson der Kategorie I unter einem Dach und mit dem Stigma müssen wir erst einmal leben, denn wenn es auch für die meisten kein Problem ist, bringt es zumindest für uns ein paar Nachteile mit sich. Darüber schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt noch mal, denn ob ihr es glaubt oder nicht: Die Quarantäne von Kind 1.0 kostet mich bares Geld.

Was ist eine Kontaktperson der Kategorie I?

Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht für Kontaktpersonen der Kategorie I mit engem Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person. Zu diesem Personenkreis gehören insbesondere Personen in relativ beengter Raumsituation oder schwer zu überblickender Kontaktsituation mit einem bestätigten CORVID 19 Fall, unabhängig von der individuellen Risikoermittlung. Die Einordnung in Kategorie I gilt nach dem Wegweiser des Robert-Koch-Institut bei einem gleichzeitigen Aufenthalt mit einer infizierten Person von mehr als 30 Minuten in einem Innenraum mit schlechter Belüftung selbst dann, wenn ein Abstand von mehr als 1,5 m eingehalten wurde.

Bei den Schüler aus der Klasse meines Sohnes handelt es sich um Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam mit einer nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Person am Unterricht teilgenommen haben. Die Schüler Kontaktpersonen der Kategorie I (enger Kontakt) im Sinne der Einstufung des Robert Koch Instituts. Danach werden Person, die in infektiösen Zeitintervall Kontakt mit einem bestätigten, CORVID-19-Fall hatten, als Kontaktperson bezeichnet. Das infektiöse Zeitintervall für symptomatische Fälle mit bekanntem Symptombeginn dauert vom zweiten Tag vor Auftreten der ersten Symptome bis mindestens zehn Tagen nach Symptombeginn, bei schwerer oder andauernder sind Thematik gegebenenfalls auch länger.

Warum werden die Kinder nun in Quarantäne geschickt?

Die angeordneten Maßnahmen dienen dem Ziel, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen und damit den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Die Maßnahmen seien geeignet, der Verbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. Durch die Absonderung wird das Risiko verringert, dass andere Personen infiziert werden.

Soweit die blumige Theorie! In der Praxis sieht es aber bei uns so aus, dass Kind 1.0 nun in der Quarantäne steckt und drei weitere Familienmitglieder nicht. Sprich 75% unserer Familie, die ja vor der Verkündung der frohen Kunde durchaus noch Kontakt zu Kind 1.0 hatten, dürfen ganz normal sich frei bewegen. Ich habe mich vorsorglich (privat) testen lassen. Nur Kind 1.0 steckt in seinem Zimmer und bis heute wissen wir nicht, ob er infiziert ist, oder nicht!

Unter uns: Für den Zocker ändert sich nicht viel, außer dass er nun an Videokonferenzen teilnehmen muss. Ob er zu Hause kein Bock auf Schule hat, oder in der Schule selbst – ist dann doch eigentlich auch egal. Die Arbeitsmoral würde ich mal aus der Ferne als „Ausbaufähig“ beschreiben, aber dazu fehlt da die Lust, die Laune, die Motivation – und das kann ich sogar nachvollziehen. Denn nach der Quarantäne geht es direkt in die Ferien und wer weiß was danach kommt? Dieses Schuljahr wird kein leichtes sein…

Andere Gesundheitsämter sind schneller!

Wie schon erwähnt, ich mache dem Gesundheitsamt in Bielefeld keinen Vorwurf. Die sind überarbeitet, überlastet und wissen vermutlich nicht mehr wo vorne und hinten ist. Aber das Gesundheitsamt in Gütersloh hat die betreffenden Personen gestern informiert. Dank der recht guten Kommunikation zwischen den Eltern kommen somit ein paar Infos natürlich auch immer bei den anderen an. Die Quarantäne soll in Gütersloh bis einschließlich dem 08.10. gelten. Die Kinder wurden aufgrund schlechten Lüften als Kontaktperson ersten Grades deklariert. Das gilt übrigens auch für die Situationen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Das wäre z.B. in Pausen, auf den Gängen und natürlich auch auf dem Schulweg und wenn ich mein Kind fragen würde, dann würde er vermutlich nicht sagen, dass er immer eine Maske auf hatte.

Kleiner Tipp: Mit dem Test warten bis das Gesundheitsamt ihn anordnet, sonst zahlt man selbst. Ein negatives Testergebnis reduziert nicht die Quarantäne-Zeit bei den Kindern. Gefährliches Halbwissen macht sich da breit, denn einige dachten, dass sich diese Quarantäne-Bestimmung nur auf die Schule auswirkt. Das stimmt so nicht, denn auch mit einem negativen Testergebnis darf das Kind das Haus nicht verlassen (Garten / Balkon) geht in Ordnung.

Warum mein „negativer Coronatest“ mir nichts bringt

Da liegt er nun also, der negative Coronatest. „In der Probe konnte keine RNA des Coronavirus SARS-COV-2 nachgewiesen werden.“ steht dort geschrieben. Soweit so gut, nun kommt aber die Einschränkung: „Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion nicht vollständig aus. Heißt übersetzt: Scheinbar habe ich kein Corona, eventuell aber doch. So kann man den Test interpretieren. Das erklärt ggf. auch die Tatsache, dass auf einem Kreuzfahrtschiff gerade wohl mehrerer Mitglieder der Mannschaft zunächst positiv und anschließend negativ getestet wurden. So ein Test ist ja auch immer nur eine Momentaufnahme, schon bei dem Verlassen der Arzt-Praxis könnte ich mich infiziert haben. Was wir eigentlich bräuchten, neben einem Medikament und einem Impfstoff, wäre ein funktionierender Schnelltest – damit könnte man Infektionsketten unterbrechen, aber nicht so wie es momentan abläuft.

Was kostet ein Corona-Test, den man privat in Auftrag gibt?

Fun-Fact: Das kann ich noch gar nicht sagen. Der Abstrich selbst ca. 25 Euro, dazu kommen die Laborkosten. Als Privatpatient bekomme ich in ein paar Tagen die Rechnungen (eine vom Arzt für den Abstrich, die Beratung und für das Einsenden zum Labor und eine vom Labor selbst) zugesandt. Ich bin gespannt was mich dieser privat „gewünschte Test“ kosten wird und werde natürlich hier darüber berichten.

Update 13:00 Uhr:

Natürlich war bis dato kein Schreiben vom Gesundheitsamt im Briefkasten, natürlich erfolgte bis dato kein Anruf. Auch wenn man sich nun mit Informationen selbst versorgt hat, fühlt man sich „in Stich gelassen“. Außerdem zweifelt man eine Infektionsketten-Unterbrechung an, denn wenn unser Kind nun doch positiv wäre, dann würden die anderen Familienmitglieder es doch früher oder später vermutlich auch bekommen. Etwas mehr Sicherheit würde hier sicherlich auch zu mehr Vertrauen sorgen. Vertrauen in die Gesundheitsämter, die nun einfach dafür verantwortlich sind den Laden am laufen zu halten.

…und wer keine Lust auf lesen hat, die Quarantänamera-Story bis zum 7. Tag gibt es auch als Podcast:

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