Kind in Corona-Quarantäne die Eltern nicht? | Quarantäne-Tagebuch Tag 1

Kind 1.0, männlich, 14 Jahre alt, hatte in der Schule Kontakt zu einer Person (m/w/d) die nun nachweislich mit COVID-19 infiziert ist. Das Testergebnis stammt scheinbar vom 25.09., denn die Quarantäne – welche für Kind 1.0 gilt – wurde bis zum 09.10. verhängt. Vom 25.09 bis zum 09.10 sind es genau die 14 Tage, dafür braucht man kein Mathe-Genie sein.

Doch was bedeutet so eine Quarantäne für ein Kind eigentlich? Das Kind muss in Quarantäne, darf also das Haus nicht mehr verlassen. Das gilt allerdings nur für das Kind! Also die betroffenende Kontaktperson der Kategorie 1. Die anderen, in häuslicher Gemeinschaft lebenden, Personen sind Kontaktpersonen der Kategorie 2 und fallen somit nicht unter die Quarantäne.

Kind in Corona-Quarantäne die Eltern nicht?

Doch was bedeutet das? Arbeitnehmer, deren Kinder sich in Quarantäne befinden, arbeiten ganz normal weiter. Fahren also zur Arbeit, dürfen einkaufen bzw. weiterhin am öffentlichen Leben teilnehmen.

Wenn ein gesundes Kind in Quarantäne ist, handelt es sich nicht um einen Krankheitsfall. Eltern, die ihr Kind betreuen müssen und nicht arbeiten können, dürfen unter Umständen unter Anrechnung von Stunden oder Urlaub zu Hause bleiben, müssen dieses aber mit dem Arbeitgeber abklären.

Sind andere Kinder zu Hause? Dann gehen die weiterhin in die Schule, zum Kindergarten oder zur Ausbildung. Auch für die gelten nicht die Quarantäne-Richtlinien. Leben diese Kinder zusammen in einem Zimmer mit dem betroffenden Quarantäne-Fall müssen diese selbstverständlich separiert werden.

Privatrechtlich kann es übrigens anders aussehen. Ich muss häufig Selbsterklärungen abgeben. Zum Schutz von anderen Personen. Das ist richtig und wichtig! Ich bin als Automobil-Journalist unterwegs und verdiene mein Geld z.B. durch die Erstellung von Fahrberichten für andere Medien.  Dafür fahre ich zu Veranstaltungen, bei denen ich neue Fahrzeugmodelle fahren kann. Beispiele:

VW Golf 8 GTI Fahrbericht, VW Golf 8 GTE Fahrbericht oder aber auch ein ganz besonderes VW Amarok Tuning Modell. Darüber hinaus fahre ich Testfahrzeuge und komme so natürlich mit vielen Menschen in Kontakt. Auch wenn wir da die Abstände einhalten, geht man immer ein gewisses Risiko ein.

In diesen Selbsterklärungen bestätige ich z.B., dass ich nach meinem derzeitigen Wissensstand in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt mit einer Person hatte, die inzwischen Corona-positiv getestet ist. Aus Datenschutzgründen weiß ich (offiziell) nicht, welche Person (m/w/d) positiv getestet wurde, kann es also nicht zu 100% ausschließen.

Aber es geht noch weiter:

Ich bestätige auch, dass ich nach meinem derzeitigen Wissensstand in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt mit einer Person, bei der inzwischen ein Coronaverdacht besteht, der noch nicht geklärt ist.

Auch wenn Kind 1.0 keine Symptome aufweist und Temperaturen von 36° nun nicht gerade für eine Erkrankung sprechen, bleibt der Verdacht bestehen.

Punkt Drei killt natürlich meine Arbeitsplanung komplett! Denn im dritten Punkt muss ich bestätigen, dass ich nicht in häuslicher Wohngemeinschaft mit einer Person, die sich in häuslicher Quarantäne befindet lebe.

Das kann ich nicht. Denn auf Grund eines Anrufs vom Lehrer, steht unser Kind nun unter häuslicher Quarantäne.

Auf das offizielle Schreiben warten wir noch, in Einzelfällen soll dieses auch erst nach Ablauf der Quarantäne eingetrudelt sein. Aber durch die Information der Schule, die sich hier vorbildlich verhalten hat, wissen wir ja das Kind 1.0 nun „Stubenarrest“ hat.

Ich bin gespannt wann das offizielle Schreiben vom Gesundheitsamt dazu eintrudelt, ich selber wollte mich heute bei meinem Hausarzt testen lassen, der hat diese Woche leider geschlossen.

Bei der Vertretung sofort einen Termin bekommen zum Abstrich, den ich nun natürlich privat bezahlen darf. Also nicht nur den Abstrich sondern auch die Kosten für das Labor. Der Abstrich selbst ist übrigens eine Sache von 20 Sekunden, anschließend geht das Röhrchen zum Labor und man muss nur noch auf das Ergebnis warten.

Ich habe mich testen lassen, damit ich Gewissheit bekomme, dass ich keinen anderen anstecke.

Ich habe mich testen lassen, mit der Gewissheit, dass dieser kostspielige Test nur eine Momentaufnahme ist. Ich habe mich testen lassen, mit der Gewissheit, dass ich jetzt – während ich diese Zeilen tippe – mich vielleicht irgendwo auf dem Weg vom Arzt nach Hause schon wieder hätte anstecken können.

Bis zum Testergebnis stelle ich mich quasi „halb“ unter Quarantäne und vermeide Kontakte mit anderen Personen, muss allerdings raus um a) mit Kind 1.0 heute zum testen zu fahren, b) um Kind 2.0 aus der Schule zu holen – denn wie oben schon erwähnt – wir stehen offiziell nicht unter Quarantäne. Klingt komisch, ist aber so.

Jetzt wird es noch komischer: Kind 1.0 wird auf freiwilliger Basis ja auch getestet, aber das Testergebnis ist eigentlich auch egal!

Auch beim negativen Testergebnis = 14 Tage Quarantäne

Die aktuell in unserem Bundesland NRW geltenden Richtlinien legen fest, dass bei einem Corona-Fall in der Schule die Quarantäne für Kontaktpersonen (Kategorie 1) exakt 14 Tage beträgt.

Auch ein negatives Ergebnis des Corona-Tests wird diesen Zeitraum nicht verkürzen. Damit soll verhindert werden, dass sich Infektionsketten bilden und sich das Corona-Virus weiter verbreitet. Warum Kinder nun „schlimmer“ sind als Reiserückkehrer mit einem negativen Testergebnis geht mir nicht in den Schädel.

Doch was muss man eigentlich tun wenn das Kind in Quarantäne geschickt wird? Vom Gesundheitsamt wird ein Schreiben kommen, das nennt sich im amtsdeutsch Ordnungsverfügung. In dem Schreiben steht drin, wann die Quarantäne abläuft und was man zu tun hat. Kommt es zu Krankheitssymptomen muss man das Gesundheitsamt anrufen, für den Fall steht auf dem Schreiben auch eine Telefonnummer. Es macht Sinn ein „Quarantäne-Tagebuch“ zu schreiben, in dem man zwei mal täglich die Fieberwerte und Beschwerden notiert.

Beispiel: 26.09.2020 – 09:00 Uhr – 36,0° – keine Beschwerden

Das Kind muss weiterhin sich regelmäßig die Hände waschen, die Husten-Nies-Etikette beachten, bei Bedarf Einmal-Taschentücher benutzen und die Hygieneartikel nicht mit anderen Personen teilen. Im Idealfall steht ein eigenes Bad zur Verfügung. Ich empfehle, dass das Kind auch noch Duschen lernt, Hände waschen kann es nun nach knapp 7 Monaten mit Corona bestimmt schon ganz gut. Ich halte euch in diesem privaten Blog einfach mal auf dem Laufenden, könnte ja eine ganz spannende Reise werden. Ich habe mir vorgenommen meine Erfahrungen mit der Kinder-Quarantäne in diesem Blog zu schreiben, als Hilfestellung für andere, aber vor allem als Erinnerung für mich. Bitte seht das hier nicht als Rechtsberatung, das sind immer nur meine eigenen Erfahrungen und Einschätzungen.

Update 12:44:

Nach meinen Rückfragen bei der Corona-Hotline der Stadt Bielefeld, gehören wir nicht zu den Auswirkungen der „Familienfeier“, sollen heute also auch nicht das Testzentrum anfahren. Das bei der HES ist gestern erst verkündet worden, ob Tests stattfinden oder nicht, wird den Eltern vom Gesundheitsamt mitgeteilt (oder auch nicht). Sprich, Kind 1.0 wird heute nicht getestet – wir leben auch weiterhin mit der Ungewissheit. Am Telefon bestätigte man mir, dass auf Grund der Inkubationszeit in der Regel die Quarantäne auf 14 Tage gesetzt wird, das würde das Gesundheitsamt prüfen und mitteilen. Da sind wir ja mal gespannt, wann wir vom Gesundheitsamt Infos bekommen.

Update 16:22:

Das Kind langweilt sich, es fällt zurück in die Verhaltensmuster vom Lock Down. Uns fehlt die Zeit ständig zu kontrollieren, ob er da am Smartphone und am Laptop nun Hausarbeiten macht oder nicht. Auf der Schulwebseite und auf der Seite der Stadt Bielefeld bekommen wir weitere Infos, vom Gesundheitsamt haben wir bis dato weder etwas gehört noch gelesen. Über eine interne Webseite für die Eltern der Klasse hält uns der Klassenlehrer auf dem Laufenden, auch wenn ich mir – vermutlich komme ich schon vor wie ein Helikopter-Vater – mehr Infos wünschen würde.

Update 16:56:

Für das Corona-Quarantäne-Tagebuch zum zweiten Mal heute Fieber bei Kind 1.0 gemessen. 36,8° – weiterhin keine Symptome. Hausaufgaben kontrolliert und „Hach, hab ich vergessen!“ gehört – das wird wohl ein langer erster Distanzlerntag.

Update 17:05:

Das Kind 1.0 präsentiert seine Hausaufgaben für Französisch. Die Aufgabenstellung für den ersten Teil war recht einfach: „Erstelle ein Quiz zu den nachfolgenden vier Kategorien mit jeweils mindestens zwei Fragen. Jeweils mit vier Antwortmöglichkeiten!“

Auch wenn ich an der Stelle relativ wenig Platz für Diskussionen finde, startet natürlich eine Diskussion darüber, dass da steht „mindestens zwei Fragen“ – auf meinen Einwand, dass es mindestens acht Fragen mit insg. 32 Antworten wären, hörte ich nur noch die Zimmertür!

Ich sag ja, das wird ein spannender Tag und ich sehne mich bereits nach dem ersten Tag nach „Schulalltag“. Unter uns? Lehrer möchte ich nicht sein. Vater, der sein Kind nun zu Hause beim Distanzlernen betreut allerdings auch nicht. Das kann auf die Dauer nicht gut sein für das Vater-Sohn-Verhältnis, denn ich mochte meine strengen Lehrer auch nicht. Zumindest in der Schule nicht, inzwischen kann ich auch die verstehen.

…und wer keine Lust auf lesen hat, die Quarantänamera-Story bis zum 7. Tag gibt es auch als Podcast:

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